Inhalt kurz
Wegbeschreibung
Geht vom Platz zurück zur Hauptstraße! Biegt dort nach links ab. Nach ca. 80 Metern erreicht ihr den Kornmarkt auf der linken Seite.
Kurzfacts
Auf dem Kornmarkt befand sich früher das alte Spital, also das Krankenhaus. Das wurde im 16. Jahrhundert abgerissen und ein Marktplatz errichtet.
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Früher wurde hier zunächst Milch und Gemüse verkauft, erst später wurde der Platz zum Kornmarkt. Wirklich bemerkenswert hier ist die Mariensäule, die auf dem Muttergottesbrunnen steht. Sucht sie! Man nennt sie auch die Kornmarkt-Madonna. Eine echte Provokation! Denn die Säule wurde als Zeichen des Protestes aufgestellt – und zwar von den Gegenreformatoren.
Dazu müssen wir kurz etwas erklären: Bis ins späte Mittelalter waren die meisten Menschen katholisch. Der Mönch Martin Luther änderte das, als er seine 95 Thesen an der Schlosskirche von Wittenberg veröffentlichte.
Er wollte die katholische Kirche reformieren, das heißt verändern. So übersetzte er die Bibel, die es bis dahin nur auf Latein gab, ins Deutsche und machte sie für alle Menschen zugänglich. Der Buchdruck, der zu der Zeit entstand, ermöglichte, dass sich seine Schriften verbreiten konnten. Die Reformation führte zur Trennung von Kirche und Staat und zur Stärkung des Bürgertums. Das war das Ende des finsteren Mittelalters!
Ein Anliegen der Reformation war, dass die Heiligen viel weniger wichtig genommen werden sollten. Denn die Reformatoren wollten, dass jeder Mensch den Zugang zu Gott durch sein Gebet haben sollte und nicht durch die Vermittlung von Heiligen. Sie forderten, dass Maria als Mutter von Jesus keine Sonderstellung habe. Die Gegenreformatoren waren die Katholiken aus der alten Kirche. Sie stellten die Kornmarkt-Madonna hier auf und machten ihren Standpunkt damit klar: Die katholische Heilige thront über den Reformatoren! So, jetzt wisst ihr aber wirklich bestens Bescheid, gell?
Funfacts
Funfacts
Nicht nur hier am Brunnen, sondern an vielen Gebäuden in der Stadt könnt ihr Madonnenfiguren in bemerkenswert großer Zahl entdecken – der Protest und die Spannung zwischen Protestantismus und Katholizismus sind deutlich sichtbar. Die Protestanten durften zwar ihre Religion ausüben, aber im Hinblick auf Madonnen war der katholische Kurfürst Johann Wilhelm unerbittlich. Die Gebäude und Plätze sollten der Muttergottes gehören! Achtet mal darauf, wie viele Madonnenfiguren ihr hier in der Heidelberger Altstadt sehen könnt!